Mit Pantomimen gegen Kiezlärm

Eigentlich wollte Dagmar im Berliner Szenebezirk Friedrichshain nur etwas essen, als sich plötzlich eine ungewöhnliche Gestalt neben sie setzt. Diese ist weiß geschminkt und gekleidet, auf ihrem Shirt prangt die Aufschrift "fair.kiez". Die Gestalt lächelt freundlich und legt dann Kissen und Kopf auf Dagmars Schulter - als wolle sie ein Nickerchen machen. Auch am Nachbartisch gesellt sich eine weiße Figur zu den sich zuprostenden Gästen - und macht lautlos mit. Dann stehen beide wieder auf und verlassen die verdutzten Gäste. Solchen Pantomimen begegnete man diesen Sommer häufig auf der Simon-Dach-Straße.

Initiative gegen steigenden Straßenlärm in der Simon-Dach-Straße, Berlin ©fair.kiez

Steigender Lärm durch Partybesucher und Touristen wird zunehmend zur Belastung für die Anwohner im Berliner Szenebezirk Friedrichshain. In einem Pilotprojekt versuchte jetzt die Stadt zusammen mit Clubbetreibern, Hotelliers und Gastronomen die Besucher für die Situation der Anwohner zu sensibilisieren. Im Vorfeld geschulte Straßenteams waren als weiß geschminkte und gekleidete Pantomimen unterwegs, um den Gästen tonlos zu zeigen, dass man nicht schreien muss, um Spaß zu haben. Dabei wurden sie von Mediatoren begleitet, die den Gästen in bis zu vier Sprachen ihr Anliegen erklärten.

Im nun veröffentlichten Abschlussbericht der Clubcomission zum Projektabschluss heißt es, man sei auf überwiegend positive Reaktionen gestoßen und die Gäste „nahmen die Botschaft für mehr Rücksichtnahme gerne auf diesem Weg an.“

Inwieweit sich der Lärmpegel durch das Projekt reduzieren ließ bleibt fraglich. Touristen werden es vielleicht als Kuriosität in Erinnerung behalten. Unter den regulären Gästen waren die Pantomime und ihr Anliegen schnell bekannt. Ob sie aber der stimmunglösenden Wirkung des Alkohols entgegentreten kann bleibt offen. Auf jeden Fall war es eine ausgefallene Aktion, die für Gesprächsstoff sorgte und es war lustig den Pantomimen beim faireren Spaßhaben zuzusehen.

Simon-Dach-Straße