Atommüll in der Schule

[21.02.19] Mitte Februar präsentierten die atomkritische Plattform Atommüllreport und die BUNDjugend in Berlin die erste umfangreiche Sammlung von Unterrichtsmaterialien zum Thema Atommüll, die junge Menschen frühzeitig mit dem Thema in Berührung bringen sollen. Denn, trotz Atomausstieg, das radioaktive Erbe bleibt.

Über eineinhalb Jahre befasste sich das Projekt „Jugend trifft Erfahrung“, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, mit der Frage, wie das Wissen um Atomstromnutzung und um die Abfälle generationsübergreifend weitergeben werden kann. Neben PädagogInnen und ZeitzeugInnen, wurde die Erarbeitung vor allem von jungen Menschen selbst geprägt, im Rahmen von drei Workshops im Wendland, in Berlin und Karlsruhe. Entstanden sind acht Module und zwei Lehrfilme, einsetzbar ab der 9.Klasse, zur Projektarbeit und Erwachsenenbildung.

Projektleiterin Ursula Schönberger (Atommüllreport) präsentiert das Unterrichtsmaterial Atommüll in BerlinEs sei wichtig junge Menschen für das Thema und den Umgang mit dem Atommüll zu interessieren, stellte Ursula Schönberger, Leiterin des Atommüllreport und des Jugendprojektes, bei der Präsentation des Materials in Berlin klar. Denn: Der Atommüll wird über Jahrzehnte oberirdisch lagern. „Es geht nicht darum, dass irgendwann, irgendwo mal Atommüll hinkommt. Sondern der Atommüll liegt jetzt an etwa 100 Standorten in der Bundesrepublik.“

Undine Kurth (Deutsche Bundesumweltstiftung) über das "Teufelszeug" AtommüllZur Motivation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt das Projekt zu fördern erklärte Undine Kurth, stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende und Vizepräsidentin des Deutschen Naturschutzrings, dass man nur durch die Beteiligung junger Menschen weiterkomme. Außerdem, sei das eine grundlegende Übung in Demokratiebeteiligung, was in Zeiten zunehmenden Populismus umso wichtiger sei. Und es diene der Auseinandersetzung mit diesem so wichtigen Thema: „Wir stehen vor der immensen Herausforderung, dass wir das Teufelszeug über Jahrtausende wirksam von der Biosphäre abschirmen wollen.“, stellte Kurth fest. Wenn dieses „größenwahnsinnige Ansinnen“ auch nicht umsetzbar sei, so sollte man doch wenigstens das maximal mögliche dafür tun.

Während die Vertreterin des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit Vanessa Janzen den Willen zur Kooperation und Beteiligung bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall betonte, forderte Linda Mederake, selbst im Bundesvorstand der BUNDjugend, ein Vanessa Janzen vom Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (l) und Linda Mederake vom Bundesvorstand der BUNDjugend (r) über Jugend-Beteiligung bei der EndlagersucheMitentscheidungsrecht für junge Menschen: „Nur mit echter Beteiligung kann verhindert werden, dass sich eine gesellschaftliche Spaltung wiederholt.“ Die bisher vorgesehene öffentliche Beteiligung reiche da nicht aus. Schließlich, so die junge Frau, sei es ihre Generation, die, ohne eigenes Verschulden, die Risiken tragen und die sichere Verwahrung gewährleisten müsse.

Fest steht: Die Suche nach einem sicheren Endlager für radioaktiven Müll wird noch Generationen beschäftigen. Der Deutsche Bundestag hat beschlossen, bis 2031 ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu benennen, das bis 2050 errichtet sein soll. Die Einlagerung soll dann etwa vierzig Jahre dauern. Viele WissenschaftlerInnen – selbst atomkraftbefürwortende – halten diesen politischen Zeitplan allerdings für unrealistisch. Hinzu kommt die steigende Brisanz der oberirdisch lagernden Abfälle: Zwei der derzeit 16 Zwischenlager werden schon heute ohne Genehmigung betrieben, die übrigen Betriebsgenehmigungen enden zwischen 2034 und 2046.

Junge Menschen frühzeitig mit der Atommüllproblematik in Berührung zu bringen, gibt diesen Anknüpfungspunkte, sollte ihnen das Thema später wieder begegnen. Und vielleicht motiviert es auch so manchen, sich weiter damit auseinanderzusetzen. Denn, dass sich junge Menschen für ihre Belange einsetzen, zeigen die aktuellen Klimaschutz-Aktionen „Fridays For Future“. Inwieweit die freiwilligen Lehreinheiten in Schulen langfristig auf Resonanz stoßen, bleibt abzuwarten. Erst recht, wenn die atombewegten LehrerInnen in Rente sind. Dennoch, aktuell gibt es Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet.

 

Anmerkung: Die Autorin war im Rahmen des Jugendprojektes an der Erstellung eines Lehrfilms zum Schwerpunkt Atommüll beteiligt, in Form von Skript und Recherche.