Jugenddiskurs: Was geht uns Atommüll an?

[14.03.18] Anfang März diskutierten 15 Jugendliche zwischen 18 und 27 Jahren in der Jugendherberge Karlsruhe die Probleme der Atommülllagerung und wie man junge Menschen dafür interessieren könne. Es war der dritte und letzte Jugendworkshop von Atommüllreport und BUNDjugend, an dessen Ende im Herbst 2018 anregende Unterrichtsmaterialien stehen sollen.

RobinWood-AktivistInnen berichten über Aktionen gegen AtommülltransportDie möglichst sichere Verwahrung des Atommülls ist eine Generationenaufgabe. Dies, so der Atommüllreport, sei kein Selbstläufer, weshalb man jetzt aktiv an der Aufarbeitung und Vermittlung des Wissens und der Erfahrung arbeiten müsse.

Der letzte Workshop, dem zwei im Wendland und in Berlin vorrausgegangen waren, begann mit der Besichtigung der staatlichen Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE), dem größten Zwischenlager in Deutschland. Besonders nachhaltig für die Teilnehmenden: Die Erfahrung im Sicherheitsbereich an Atommüllfässern vorbei zu schlendern.

Spielerisches Vorstellen von Arbeitsergebnissen beim Jugendworkshop in KarlsruheHochmotiviert und mit vielen Fragen zu Sicherheit, Kosten und Grundlagen der Kerntechnik kehrten sie zurück. Denn die immer wiederkehrende Schwierigkeit sind die komplexen Zusammenhänge von ionisierender Strahlung, Halbwertszeiten, Behältertypen, geologischen Anforderungen und vielem mehr. So wurde beispielsweise deutlich, dass Grenzwerte nicht zeigen bis zu welcher Dosis ein Stoff ungefährlich ist, sondern, dass sie das gesetzlich akzeptierte Risiko darstellen, das ein Handeln möglich machen soll.

Es folgten Inputreferate und Diskussionen. Eine Teilnehmerin zeigte sich erfreut, dass keine Frage zu „dumm“ sei und die Organisierenden auf alle eingingen. Außerdem berichteten zwei junge AktivistInnen von der Umweltorganisation Robin Wood über ihre Aktionen gegen die Atommülltransporte auf dem Neckar im letzten Jahr.

Junge Menschen erarbeiten Unterrichtseinheiten für junge Menschen beim Jugendworkshop in KarlsruheIm Mittelpunkt stand aber die Erarbeitung von Lehreinheiten in kleinen Gruppen zu unterschiedlichen Themen. In sechs Stunden erarbeiteten die Jugendlichen Ansätze für partizipative Unterrichtsstunden von etwa 90 Minuten für SchülerInnen  der 10.Klasse. Diese sollten an Themen wie „Endlagerung in Deutschland“, „Atommüll im Allgemeinen“ und „Uranabbau weltweit“ herangeführt werden. Das Besondere: Da die Teilnehmenden sich gerade erst selbst thematisch einarbeiteten, wussten sie um die Fragezeichen.

Während die erarbeiteten Inhalte und Erfahrungen der drei Workshops nun weiterverwendet werden um bis Herbst fertige Unterrichtseinheiten für Schulen und eine sogenannte „Beteiligungsbox Atommüll-Lagerung“ für Jugendverbände zu entwickeln, haben die Teilnehmenden abschließen noch einmal die Wichtigkeit des Themas betont und einige haben bereits Interesse signalisiert sich damit weiter befassen zu wollen.

Aufgrund der positiven Resonanz auf die verschiedenen Informationsangebote, plant der Atommüllreport im August eine weitere Sommerakademie in Karlsruhe mit viel fachlichem Input für junge WissenschaftlerInnen.

Die Fragen nach der Weitergabe von Wissen und dem Umgang mit Atommüll wird weiterhin heiß diskutiert. So lädt am 05.April das europäische Forschungsprojekt HoNESt zu einem Workshop nach München. Finanziert von Euratom, untersucht HoNESt die Geschichte der Kontroverse um die Atomkraftnutzung in 20 Staaten. Und am 27./28.04. findet in Berlin der zweiten Workshop des von Wissenschaftler*innen aus Institutionen und Bewegung gegründeten „Netzwerk Nukleares Gedächtnis“ statt, das eine gemeinsame Aufarbeitung des deutschen Atomkonflikts beginnen will.

Ich werde natürlich darüber berichten.