Trauer und Protest in Japan

„Die Sorge um Geist und Körper unserer Kinder dauert an."

[13.03.18] Ganz Japan gedachte am 11. März den Opfern des Großen Erdbebens und dem nachfolgenden Tsunami 2011. Nach offiziellen Angaben kamen dabei 15.895 Menschen ums Leben, 2.539 gelten weiterhin als vermisst und 3.647 starben später aufgrund von Katastrophen-bezogenen Ursachen. Um 14:46 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt des Bebens, gab es eine landesweite Schweigeminute. Premieminister Shinzo Abe, Prinz Fumihito und dessen Frau nahmen gemeinsam mit etwa 870 Betroffenen an einer Zeremonie in Tokio teil, berichtet die Asahi Shimbun. Laut der Behörde für Wiederaufbau, die nach der Katastrophe eingerichtet wurde, sind 77.500 Menschen weiterhin evakuiert.

Im ganzen Land gab es Gedenkveranstaltungen. Laut Mainichi Shimbun verkaufte in der Stadt Oita die lokale Verbrauchervereinigung Oita-Coop landwirtschaftliche Produkte aus der Präfektur Fukushima als Zeichen der Unterstützung der Wiederaufbauhilfe.

Und natürlich wurden Anti-Atom-Mahnwachen abgehalten. Die Mainichi Shimbun berichtet, dass etwa 200 Personen in der Stadt Kochi für Atommausstieg demonstrierten. Laut Tokio Shimbun nahmen 1.100 Menschen an der Bürgerversammlung für Atommausstieg mit anschließendem Demonstrationszug im Nakahara Heiwa Park in der Stadt Kawasaki teil.

Anti-Atom-Demo in Tokio am siebten Fukushima-JahrestagIn Tokio, so die Hauptstadtzeitung, organisierte die Metropolitan Coalition Against Nukes, die jeden Freitag vor dem Büro des Premierministers für Atomausstieg protestiert, eine Kundgebung nahe der Nationalversammlung. Die etwa 5.000 TeilnehmerInnen forderten: „Der Fukushima-Unfall darf nicht vergessen werden“, „Stoppt die Atomkraft.“ Auf einer Bühne vor dem Haupttor der Nationalversammlung erklärte Kaoru Suzuki von der Eltern-Bürgermessstelle Iwaki, einem Gebiet in der Präfektur Fukushima: „Die Sorge um Geist und Körper unserer Kinder dauert an. Strom ist notwendig, Atomkraft nicht“. Außerdem sprachen Vertreter von Oppositionsparteien.

Auch in Taipeh gab es eine Demonstration gegen Atomkraft, an der etwa 2.000 Menschen teilnahmen, wie die Onlineplattform CNA berichtet.

Am 21.03. ist noch eine Kundgebung von Sayonara Nukes im Yoyogi Park in Tokio geplant, mit prominenten Rednern und Ansprachen von Betroffenen, Evakuierten und AKW-Arbeitern, gefolgt von einem Demonstrationszug.

Auch wenn die japanische Regierung weiterhin an Atomstrom festhält, haben anhaltende Protest an Atomstandorten und Gerichtsverfahren dazu geführt, dass bislang lediglich drei Reaktoren wieder am Netz sind. Vor der Reaktorkatastrophe waren es 54.