Spanien 2014

 Projektbeschreibung

  • Fünf Jahre Krise: Wie reflektieren Medien, Kultur und junge Leute die Zukunft Spaniens und welche neuen gesellschaftlichen Formen haben sich entwickelt.
  • Gegencheck: Was denken junge Menschen aus Spanien und Deutschland über Sparpolitik, die EU und das jeweils andere Land?
  • Dia de la Hispanidad: Am 12. Oktober entdeckte Columbus Amerika. So begeht Spanien diesen seinen Nationalfeiertag.

Das sind einige der Schlagzeilen meiner Recherchereise nach Spanien, vor allem nach Sevilla und Madrid. Ich habe Gespräche mit Experten, Betroffenen und Aktiven geführt, die Einblicke in die aktuelle sozialpolitische Situation gaben. 

Zeitraum:  02.10. - 17.10.2014

 

Fracking in Rumänien – Nein, danke!

[Do., 16-10-14] Am 2. November sind Präsidentschaftswahlen in Rumänien. Eines der wichtigsten Themen ist das seit 2012 praktizierte chemische Fracking.Salvati Rosia Montana

„In Rumänien gab es in den letzten 25 Jahren keine großen Mobilisation. Nicht so wie in anderen europäischen Stätten. Erst seit dem letzten Jahr gehen Leute auf die Straße und kämpfen für ihre Rechte. Die Proteste der Rumänen haben gegen das Minenprojekt Rosia Montana begonnen und wurden im Nachhinein mit den Protesten gegen Fracking in Pungesti fortgeführt. Als wir gesehen haben, wie sich die Menschen in Bukarest und vielen anderen rumänischen Staaten mobilisieren, mussten wir auch etwas machen.“

Ionela O. ist Rumänin und lebt seit 12 Jahren in Madrid. Sie ist Mitglied von „Salvati Rosia Montana” („Rettet Rosia Montana“). Die junge Gruppe zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie bereits Vertretungen in über 40 Staaten hat.

Ich habe Mitglieder der Gruppe Madrid bei der Demonstration gegen TTIP und Fracking am vergangenen Samstag kennen gelernt. Bei einem Interview berichteten von Problemen, Forderungen und dem wachsenden Widerstand in Rumänien.

 

Die Plattform der Betroffenen

[Di., 14-10-14] Pablo begrüßt mich um 16:45 Uhr gehetzt in der Bushalle Méndez Álvaro. Eigentlich waren wir für 15:00 Uhr zu Interview und Lunch verabredet gewesen, aber ihm war eine Gerichtsverhandlung dazwischen gekommen, die länger gedauert hatte und hinterher hatte er noch ein Dokument vorbereiten müssen. Er ist 52 Jahre alt und freiberuflicher Übersetzer und Autor. Neben seiner Muttersprache Spanisch spricht er Englisch, Französisch und Deutsch. Er arbeitet ehrenamtlich für die PAH Madrid, die Plattform der Betroffenen von Hypotheken (Plataforma de Afectados por la Hipoteca), unterstützt Betroffene, fungiert manchmal als Übersetzer und kümmert sich um die internationale Pressearbeit.

Aber auch er selbst gehört zu den Betroffenen. Aufgrund der Bankenkrise gingen seine Aufträge zurück und er konnte den Immobilienkredit, den er in guten Zeiten aufgenommen hatte, nicht mehr zurück zahlen. Vor 1,5 Jahren kam er als Betroffener zur PAH. Mittlerweile ist es für ihn eine Herzensangelegenheit den Leuten zu helfen. 

Er gab Auskunft über seine eigene Geschichte, die Arbeit der PAH, ihre kleinen aber beständigen Erfolge, aber auch über die vielen Selbstmorde derer, die die horenden Schulden nicht mehr ertragen konnten.

 

"Ley Mordaza" - das Knebelgesetz

[Mo., 13-10-14] Es ist ein Krisentreffen. Derzeit wird im Parlament über den 2. Artikel des "Ley Socialidad Privada", das Gesetz zur privaten Sicherheit, beraten. Sie nennen es "Ley Mordaza", das Knebelgesetz. EPatio Maravillass sei ein tiefer Einschnitt in die Privatsphäre. An diesem Montagabend haben sich verschiedene politische Gruppen im "Patio Maravillas" getroffen. In dem seit vier Jahren besetzen Haus werden akribisch die Aktionen der kommenden Wochen geplant. Trotz ruhiger Atmosphäre merkt man die Anspannung. Für die kommenden beiden Wochen werden Aktionen über Facebook und Twitter, sowie Demonstration geplant. Das Thema sei in den letzten Wochen aufgrund anderer Probleme medial in den Hintergrund getreten, erklärt eine der Anwesenden. Das wollten sie schnellstmöglich ändern. 

 

„Wir sind Menschen, keine Ware!“

[Sa., 11-10-14] „Wir sind Menschen keine Ware!“, „Ja, wir können das!“, „Setzt die Regierung ab!“ Das und vieles mehr riefen die Demonstranten, die sich heute in Madrid versammelt hatten, um im Rahmen der europäischen Aktionswoche gegen TTIP und Fracking zu demonstrieren. Um 18 Uhr startete der Demonstrationszug an der Gloreta de Atocha. Begleitet von Trommeln und lauten Rufen marschierten die Teilnehmer zwei Stunden durch die Innenstadt. Es herrschte eine entschlossene Stimmung und die Überzeugung etwas ändern zu müssen. Nach der Abschlusskundgebung an der Plaza de la Provincia zog ein Großteil weiter zum Plaza del Sol um Solidarität gegenüber der mit Ebola infizierten Krankenschwester ausdrücken, der die Regierung Eigenverschulden vorwirft.

Manifestación contra TTIP y Fracking

 

 

 

 

 

 

 

Montagabend nehme ich an einer Versammlung beteiligter Gruppen teil und werde mit verschiedenen Aktivisten reden.

 



Die Andanza - Ein Haus für alle

Andanza[Mi., 08-10-14] Am Dienstag, den 07.10. um 20:30 haben sich 20 Personen in der Andanza eingefunden, einem leerstehenden Haus, dass seit Februar besetzt wird. Sie treffen sich jeden Dienstagabend in einer offenen Runde, um kommende Projekte und laufende Aktionen zu besprechen. Die Andanza soll eine Begegnungsstätte für alle sein. David ist 26 Jahre alt und engagiert sich seit April in der Renovierung des heruntergekommenen Gebäudes. Er erzählt von Problemen, Plänen und der Auseinandersetzung mit der Stadt und den Anwohnern.

 

 

Innenhof der Utopie

[Mo., 06-10-14] Übergabe eines offenen Briefes der „Corrala Utopía“ an die Bank Ibercaja. Über Monate hielt eine Gruppe von Zwangsgeräumten ein Haus besetzt und nannte es „Corrala Utopía“, den Innenhof der Utopie. Kinder, Männer und Frauen, die ihr Heim verloren hatten fanden hier Zuflucht. MittlerCorrala Utopía Demonstrationweile mussten sie das Haus verlassen, aber sie kämpfen weiter für das Recht auf ein Dach überm Kopf. Ich habe mit Betroffenen gesprochen. Toñi und Maria berichteten über ihre Erfahrungen, Ängste, verlorenes Vertrauen und den Willen nicht aufzugeben.

 

 

Hypothekenkrise aktuell

[Fr., 03-10-14] Demonstration der Plattform der Betroffenen von Hypotheken (PAH | Plataforma de Afectados por la Hipoteca) in Sevilla.

  • Am 10.10. geplantes Interview mit der PAH Madrid
  • Europäische Aktionswoche 13.10. - 19.10.14

 PAH Sevilla

Entgegen dem Strom

[So., 05-10-14] Die andauernde Krise zwingt viele junge Spanier ihr Land zu verlassen, um anderswo Arbeit zu finden, beispielsweise in Deutschland. Aber es geht auch andersrum. Ich habe mich mit einer promovierten Biochemikerin aus Deutschland unterhalten, die ihre Sicherheit in Deutschland aufgab und gerade dabei ist sich als Yogalehrerin ein neues Leben in Sevilla aufzubauen.