Die Trinker von der ersten Bank

Kommentar | Berlin, 20.06.2015

Ein G7 Gipfel in Bayern geht natürlich nicht ohne Dirndl, Lederhose und Weißbier. Beim Catering im Pressezentrum trinken Samstagmittag zig Personen Bier: Sanitäter, Orga-Teams, Journalisten. Auch bei der offiziellen Begegnung zwischen Merkel, Obama und Ortsansässigen darf ein Weißbier nicht fehlen. Im Büroalltag würde Alkohol zum Eklat führen, Politiker hingegen trinken öffentlichkeitswirksam am Arbeitsplatz. Man erinnere sich an den lallenden Politiker Kleinert am Rednerpult des Bundestages, den russischen Präsidenten Jelzin sternhagelvoll bei Staatsakten und einen bayrischen Ministerpräsidenten, der zwei Maß Bier am Steuer vertretbar fand.

Während einige es zelebrieren, sieht die Weltgesundheitsorganisation Alkohol unter den "Top Ten" der weltweiten Gesundheitsrisiken. Alkohol wirkt toxisch auf das Nervensystem, kann abhängig machen, schädigt Leber und Hirn und bedingt Krebs. Und Deutschland ist beim Konsum vorne mit dabei. 14.551 Menschen starben hier 2012 an den Folgen von Alkohol. Dennoch gibt es für die Kleinen an Silvester einen Schluck Sekt und Jugendlichen wird schon mal ein Bier spendiert. „Wir waren doch alle mal jung.“ Alkohol ist Alltagsgegenstand; tradiert und stilisiert. Muss das sein?

Auch Rauchen war lange Zeit selbstverständlich, doch Rauchverbote und großangelegte Gefahrenaufklärung hatten negative Einwirkungen auf Konsum und Akzeptanz. Warum geht das nicht auch beim Alkohol? Die Initiative „Kenn dein Limit“ wirbt massiv für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol. Das wird aber nicht einfacher, wenn Politiker der ersten Riege das konterkarieren. Will man ihn de-stilisieren, darf Alkohol nicht von Großen vorgelebt und so verharmlost werden.

Es hieß später Merkels und Obamas Weißbiere seien alkoholfrei gewesen. Dennoch, warum müssen sich Personen des öffentlichen Lebens bei der Arbeit vermeintlich alkoholtrinkend zeigen? Sind trinkende Staatsoberhaupts menschlicher? Sie sind auf jeden Fall schlechte Vorbilder.