Tokyo: Im Großstadtgewusel

[Sa.,15-03-14] Zügig eilen Menschenmassen über eine riesige Kreuzung, um schnell an irgendein Ziel zu kommen, sei es zur Arbeit oder zu einem Treffen mit Freunden. Diese Kreuzung, die man aus vielen Berichten über Japan kennt und die als Inbegriff des hektischeShibuya / Tokyon Treibens der Stadt gilt, liegt am Bahnhof Shibuya in Tokyo. Sie ist eine sogenannte „Alle-Gehen-Kreuzung“: Alle Fußgänger haben gleichzeitig grün bzw. rot und können die Ampel sowohl diagonal, als auch rechtwinklig überqueren. Am Abend, wenn diese Einkaufmeile aufgrund der Beleuchtung fast heller ist als tagsüber, passieren teilweise bis zu 15.000 Menschen gleichzeitig die Kreuzung.

Tokyo [dtsch.: „östliche Hauptstadt“] wurde 1868 zur Hauptstadt Japans und ist mit über 9 Millionen Einwohnern (Metropolregion über 35,6 Millionen Einwohner) die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Weltweit liegt die Stadt Tokyo damit auf Platz 14 der einwohnerstärksten Städte, als Metropolregion (inklusive der Städte Yokohama, Kawasaki und Saitama) auf Platz 1. Erwartungsgemäß herrscht in der japanischen Hauptstadt ein geschäftiges Treiben und in den Stoßzeiten ist die Nutzung der U-Bahn kein Vergnügen; es wird zusammengedrängt und gequetscht. Die Stadt ist bunt, die Häuser sind hoch, ständig ertönen Ansagen aus Lautsprechern und aufgrund mangelnd deklarierter Straßennamen ist es sehr schwierig Adressen zu finden (auch für Japaner, wie mir mehrmals bestätigt wurde). Persönlich fand ich es weniger erdrückend als erwartet, da gerade das Bunte und das Schnelle faszinierend und spannend waren.

Traditionelle Hochzeit / TokyoNeben der dichten städtischen Bebauung gibt es auch öffentliche und vielbesuchte Parks. Im Yoyogi-Park in Shibuya, einer der größten Parkanlagen der Stadt, befindet sich der Meiji-Schrein (Meiji-Jingû), der den Seelen des Kaisers Meiji (1852 bis 1912) und seiner Frau gewidmet sind. Der Schrein ist Ort u.a. für Taufen und traditionelle Hochzeiten.

Mitten im politischen Zentrum Japans, dem Regierungsviertel Hibiya Park / Tokyo
Nagatachô, liegt der Hibiya-Park, eine öffentliche, grüne Oase. 1903 eröffnet, hat der Park viele Aufstände miterlebt und ist heute Veranstaltungsort politischer Aktionen und bekannt für die Konzerte in der „Hibiya Open-Air Concert Hall“.

DirektStatue des Hundes Hatchikô in Shibuya / Tokyo am Bahnhof Shibuya steht die Statue des berühmten Hundes Hatchiko, vor der sich Touristen für Fotos drängen. Hatchikô, der sein Herrchen jeden Tag vom Bahnhof abholte, wartete auch nach dessen Tod tagtäglich vor dem Bahnhofsgebäude auf ihn. Nach Bekanntwerden der Geschichte wurde der Hund zum Inbegriff der Treue und 1932 in dessen Beisein die Bronzestatue am Bahnhof Shibuya errichtet.

In der Takeshita-Dori (Takeshita-Straße) im Viertel Harajuku treiben sich am Wochenende auf engstem Raum Massen junger Menschen herum. Hier gibt es viele Talentscouts, die immer neue Gesichter und Bilder suchen. Man sieTakeshita-Dori / Tokyoht individuell gestylte Jugendliche wie Punks, Emos, Lolitas und  Mangacharaktere (japanische Comics), allerdings alles bis aufs Detail ausgestylt.  Besonders beliebt sind die Crêpes, die man an jeder Ecke kaufen kann und die mit Sahne, Früchten und ggf. Käsekuchen belegt werden. Vor den populärsten Geschäften, Restaurants und Neueröffnungen stehen Schlagen von Menschen, die teilweise bis zu einer Stunde warten müssen. So z.B. vor einem neueröffneten Laden, in dem man verschiedenste Popcorn-Sorten kaufen kann. Aber eben auch nicht mehr.

Die moderne und schnelllebige Stadt ist immer auf „den neuesten Trend“ ausgerichtet. Wie die meisten Großstädte ist sie nicht einfach eine Stadt, sondern eine Zusammensetzung vieler einzelner, individuell geprägter Viertel. Meine 29jährige Gastgeberin, die bei einer Zeitschrift arbeitet, sowie andere, die ich fragte, erklärten mir unumwunden, dass das Leben und Arbeiten in dieser Stadt anstrengend, zeitaufwendig und manchmal etwas einsam sei, dennoch würden sie Tokyo um keinen Preis verlassen wollen. Tokyo ist anstrengend und kostet viel Zeit, übt durch das pulsierende Leben aber einen ganz eigenen Reiz und eine  große Spannung aus.