Fukushima im Supermarkt

[Fr.,14-03-14] Fukushima ist der Fläche nach die drittgrößte Präfektur und eine der führenden Reisregionen Japans, deren Agrarprodukte und Fischbestände das ganze Land versorgt haben und teils immer noch versorgen. Seitdem das AKW Fukushima vor drei Jahren havarierte, entweicht allerdings kontinuierlich Radioaktivität ins Wasser und in die Luft und belastet nicht nur Menschen und Natur sondern auch die regionale Wirtschaft. Die Initiative „Gambaro Fukushima!“ [Halte durch Fukushima!“], versucht die Region zu stärken: Radioaktiv belastet oder nicht, in über 2.000 registrierten Filialen des Landes werden „die leckeren Lebensmittel aus Fukushima“ verkauft. Eine Aktion, die national auf Zustimmung stößt.

Banner der Initiative „Gambaro Fukushima!“

Quelle: „Gambaro Fukushima!“ [がんばろうふくしま!Halte durch Fukushima!“]

URL: http://www.ganbarou-fukushima.jp/

 

Wie aber kann der einzelne Konsument erkennen und entscheiden, welche Produkte er wählt? Nach sechs Jahren Sprachstudium stehe ich ratlos vor einem Supermarktregal. Auf Nachfrage erklärt die Verkäuferin, dass auf den Produkten die Herkunft stehe. Sofern man die Schriftzeichen lesen kann, ist es möglich die deklarierte Herkunft zu erkennen. Schwieriger wird es bei Misch-Produkten wie Sand­wiches oder einer „Bento-Box“, einer typisch japanischen Lunchbox, meist mit Gemüse und Fisch, die man abgepackt im Supermarkt kaufen kann. Im Starbucks Café muss mir eine bestürzte Bedienung nach vergeblichem Nachsehen im Lager mitteilen, dass sie die Herkunft der einzelnen Zutaten des Sandwiches leider nicht prüfen könne.

Stellt man eine ähnliche Frage in Restaurants, läuft man Gefahr angefeindet zu werden. „KleinIwata Wataru von der „Citizens‘ Radiation Measuring Station“ (CRMS)e Konvinient-Stores [japanische Supermärkte] und kleine Familienrestaurants benutzen häufig Produkte aus betroffenen Gebieten“, erklärt Iwata Wataru von der „Citizens‘ Radiation Measuring Station“ (CRMS), der ersten Lebensmittel-Messstelle Japans. „Die meisten Produkte sind nur gering belastet, allerdings weisen beispielsweise Pilze und Gemüse oft relativ hohe Strahlenwerte auf, genauso manche Früchte wie Kiwi, Pfirsiche oder manche Orangen. Fisch, Pilze und Gemüse sollte man besser meiden.“

Ph.D. Hidetoshi Yamashita, außerordentlicher Professor für Ressourcenökonomie an der Hitotsubashi Universität Tokyo und selbst Vater zweier Kinder erklärt: “Es gibt zwar einige Hotspots, aber insge­samt ist die Strahlung in Tokyo vor und nach der Fukushima-Katastrophe annähernd gleich geblieben. Unsere Sorge ist v.a. das Essen.“ Es gäbe Bürgerkooperationen, dieHidetoshi Yamashita, außerordentlicher Professor für Ressourcenökonomie an der Hitotsubashi Universität Tokyo sich eigens zusammen gefunden hätten, um Lebensmittel zu prüfen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Die meisten Gemüse seien zwar in Ordnung, aber wenn doch einmal Strahlung gemessen werde, könnte man sich entscheiden, ob man von dem betroffenen Hof tatsächlich noch Lebensmittel kaufen wolle. „Wir sind bereits daran gewöhnt, unser Essen zu prüfen.“

Bereits in Deutschland hatte ich beim IPPNW („Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung“) die Auskunft bekommen: „Auf Tang und dergleichen sollte man verzichten. Fisch in geringen Mengen ist in Ordnung. Es kommt auch auf die konsumierte Menge an. Bei Gemüse muss unbedingt die Herkunft geprüft werden. Kommt es aus Fukushima, sollte es keinesfalls gegessen werden. Der offizielle Grenzwert für Nahrung die verkauft werden darf, liegt bei 100 Becquerel pro Kilogramm, das ist sehr hoch.“ Im Anti-Atom-Zelt, einer seit zweieinhalb Jahren kontinuierlichen Dauermahnwache vor dem Wirtschaftsministerium in Tokio wird aufgezählt, dass man u.a. Lebensmittel aus den Gebieten Fukushima, Tochigi und Gunma unbedingt meiden sollte.

Man kann seine Lebensmittel in Japan sorgsam auswählen und es ist möglich, seine Ernährung an die Umstände anzupas­sen. Allerdings ist das aufwendig und der Konsum belasteter Nahrung kann trotzdem nicht ausge­schlos­sen werden. Die Situation ist vielleicht vergleichbar mit der Zeit nach Tschernobyl in Deutsch­land, als die unbelastete Nahrung für viele Menschen, gerade junge Familien, ein Thema war. Aber wer meint, Fukushima sei soweit von Deutschland entfernt, dass belastete Lebensmittel hier kein Thema seien, wurde eines Besseren belehrt, als Medien jüngst berichteten, dass in Supermärkten in der Schweiz Fukushima-Fisch entdeckt worden sei.

 

Präfektur Fukushima / Landkarte

Präfektur Fukushima. Quelle: wikipedia.org