Seit zweieinhalb Jahren hält das Anti-Atom-Zelt die Stellung

[Fr.,07-03-14] Tamiko Tani wird dieses Jahr 90 Jahre alt. Jeden Freitag sitzt sie mit Protestschildern vor dem Anti-Atom-ZelTamiko Tani / Anti-Atom-Aktivistint. Zum Demonstrieren sei sie nicht mehr fit genug, aber so könne sie auf ihre Weise jedem der vorbei gehe ihre Meinung zeigen. Tamiko ist eine von vielen überzeugten UnterstützerInnen des Anti-Atom-Zelts. Dieses Anti-Atom-Zelt, auch Zeltplatz (Tento Hiroba テントひろば) genannt, wurde am 11. September 2011 im Rahmen der Demonstration zum Gedenken an Fukushima errichtet. Es steht an einer stark befahrenen Kreuzung, direkt vor dem Tokioter Wirtschaftsministerium, dem Ort der Atompolitik. Auf diese Weise zeige man ständige Präsenz. Da man befürchtet die Polizei würde das Zelt sonst wegreißen, ist seit nunmehr zweieinhalb Jahren Tag und Nacht jemand vor Ort. Von hier aus werden auch die Freitagsdemonstrationen mit-koordiniert, die jeden Freitag um 18:30 Uhr vor dem etwa 15 Gehminuten entfernten Sitz des Premierministers stattfinden.

Bei meiner Ankunft um 16:00 Uhr sitzen zwei Frauen ausgelassen scherzend vor dem Zelt. Sie schicken mich ins Innere, wo sich drei ältere Herren aufwärmen (es schneit), wähdas Anti-Atom-Zelt / Tokyorend ein vierter eine Flugblättersammlung mit den Fukushima-Gedenkaktionen der kommenden Woche zusammenstellt, die man am Abend verteilen will. Man unterhält sich über die Aktion, das Wetter und die neuesten Bucherscheinungen. Immer wieder kommen Menschen herein, holen Flugblätter oder ein Mikro.

Kimiko Inui (77 Jahre), die vor dem Zelt die Stellung gehalten hatte, erzählt sie komme seit zwei Jahren regelmäßig dreimal die Woche hierher. Vor der Fukushima-Katastrophe habe sie sich nicht für Atomkraft interessiert. Manche seien ja schon nach den Reaktorkatastrophen von Three Mile Island und Tschernobyl aktiv geworden, aber den meisten gehe es so wie ihr.

Eine andere Frau steht mit einem großen Bauchladen an der Kreuzung. Yumi Murakami ist eine von dreYumi Murakami / Anti-Atom-Aktivistini Personen, die das Projekt „Fukushima-Buttons“ initiiert haben. Für jeden verkauften Button bekommt ein Einwohner von Fukushima einen Button umsonst. Mit diesem Symbol gegen die Atomkraft könnten Menschen ihre Meinung offen kundtun, denen das sonst schwer falle.

Um 18:15 Uhr gehen wir los. Auf dem Weg zum Sitz des Premierministers sind immer wieder Straßenposten aufgestellt: Manche singen, manche trommeln, manche halten Protestschilder in die Höhe. Die Aktion selbst findet auf dem Gehweg vor dem Premierministersitz statt. Die Polizei stellt sicher, dass die Demonstranten sich nur auf der Hälfte des Gehweges aufhalten, sodass die Fußgänger vorbeigehen können. An der Ecke ist eine Mikrophonanlage aufgestellt, durch die Reden und Protestgallwöchentliche Freitagsdemo vor dem Sitz des Premiers / Tokyoesang ertönen. 

Ōmura Midori nehme ab und zu an Demonstrationen teil. Das Problem sei, dass es im Sommer immer so heiß sei. Daher habe sie mit zwei Freunden beschlossen, Fächer mit Anti-Atom-Slogans zu bedrucken. Die könne jeder gebrauchen und gleichzeitig zeige man seine Meinung. Die Einnahmen würden sie für die Kampagnen spenden. Sie hat einen Zeitungsartikel dabei, mit einem Foto, auf dem die Bundestagsabgeordnete Claudia Roth einen solchen Fächer in der Hand hält.

An diesem Freitag kommen viele solcher kleinen Gruppen zusammen, um dem gemeinsamen Ziel Ausdruck zu verleihen. Das Anti-Atom-Zelt kann auch nach zweieinhalb Jahren seine Präsenz vor dem Wirtschaftsministerium aufrecht erhalten. Es ist Sammelpunkt für Menschen die sich informieren, oder engagieren wollen, sowie Ausdruck des kontinuierlich andauernden Protestes.