Kyoto: Tempel auf Hügeln und in Einkaufsstraßen

[Do.,06-03-14] Warum Städte mit U-Bahnen unterqueren, wenn man sie auch von oben betrachten kann. Anstatt schnelle Verbindung mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu suchen, bin ich in Kyoto überwiegend zu Fuß unterwegs. Mit einer ungefähren Orientierung schlendere ich durch die Straßen, komme in Gegenden, die ich sonst nicht gesehen hätte und bekomme Eindrücke vom Leben in der Stadt.

Die 1.46 Millionen Einwohner starke Stadt Kyoto gilt mit ihren im 2.Weltkrieg weitgehend unversehrten, alten Bauten heute als kulturelles Zentrum des Landes. Im Jahr 794 nach klassisch chinesischer Art schachbrettartig angelegt, diente Kyoto [ursprünglich: Heian-kyō] über EintausTempel Kiyomizu in Kyōto end Jahre als Sitz des kaiserlichen Hofes. Nachdem sich in der Edo-Zeit (1600-1868) das politische Zentrum zunehmend nach Tokyo verlagerte, musste sie allerdings 1868 den Titel der Hauptstadt zu deren Gunsten abgeben. Bei Reisen nach Japan wird empfohlen sowohl Tokyo, als auch Kyoto zu besuchen: Die alte und die neue Welt des Landes.

Von Freunden und Hostel-Mitbewohnern wärmstens empfohlen, mache ich mich auf zum Tempel „Otowasan Kiyomizu-dera“ [kurz: Kiyomizu] in Ost-Kyōto im Viertel Gion. Die Straßen des Viertels, das den Handlungsrahmen des Buchs „die Geisha“ bildet, sind meist klein und schmal. Gion wurde einst errichtet, um Pilgern auf ihrem Weg zum Tempel durch die Kunst der Geisha zu unterhalten. An der Straße die zum Tempel hinaufführt sind rechts und links Läden aneinander gereiht, in denen man Souvenirs,Geiko Süßigkeiten, Kyoter Tee und allerlei anderes kaufen kann. Hier sind viele Touristen unterwegs, überwiegend Asiaten, die meisten wohl Japaner. Einige japanische Besucherinnen tragen den traditionellen Kimono. Ich begegne sogar zwei Geiko [in Deutschland meist als Geisha bezeichnet].

Kiyomizu gilt als einer der schönsten und bekanntesten Tempel der Stadt und wurde 1994 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Der Eintritt kostet umgerechnet unter 2,50 EUR. Im Tempel gibt es den aus drei einzelnen Wasserstrahlen bestehenden Wasserfall des Otowa-no-taki. Tempelbesucher stehen Schlange um dieses Wasser mit einem Metallbehälter aufzufangen und zu trinken. Das bringe Heilung, Gesundheit, Erfolg und ein langes Leben. Außerdem befinden sich hier mehrere Shinto-Schreine. Shinto, zu deutsch „Weg der Götter“, ist eine in Japan weitverbreitete Glaubensrichtung, in der verschiedene Gottheiten (kami) angebetet werden. Neben dem Vogelgezwitscher hört man die aufgeregten Rufe einer Schulklasse, die wohl gerade einen Ausflug macht. Von der Tempelanlage aus Tempel Kiyomizu in Kyotozeigt sich ein beeindruckender Blick auf die Großstadt Kyoto. Durch seine Lage, abseits des Großstadtgewimmels bietet der Tempel Kiyomizu Ruhe und Entspannung. Man meint fast, man sei im traditionellen Japan, das man aus Filmen kenne.

Eine ganz eigene Faszination haben allerdings die vielen kleinen Tempel in der Stadt. Beim Durchqueren einer überdachten und belebten Einkaufsstraße zeigt sich zur Linken plötzlich ein Torbogen in altjapanischem Stil, der auf eine begrünte Tempelanlage zwischen den Hochhäusern der Stadt führt. Tatsächlich sind diese Anlagen in verschiedener Größe in vielen Teilen der Stadt zu finden: In ruhigen Gässchen, EinTempel neben der Einkaufsstraßekaufsmeilen oder direkt an Hauptstraßen. In Kyoto liegt Tradition und Moderne eben sehr dicht beieinander und prägt das Stadtbild auf eine ganz eigene Art.

So liegt auch die Burg Noji, die 1603 als offizieller Kyoter Sitz des Shoguns errichtet wurde, heute an einer lauten Hauptstraße. [Shogun bezeichnet einen japanischen kaiserlichen Feldherren. Nach verschiedenen Machtkämpfen regierte dieser allerdings zwischenzeitlich anstelle des Kaisers das Land.] Das teilweise zum Museum umfunktionierte Anwesen zeigt das Leben des Shogun, ist seit 1994 ebenfalls Weltkulturerbe und darf, wie in japanischen Wohnungen und Heiligtümern üblich, natürlich nicht mit Straßenschuhen betreten werden. Eintritt unter 4,50 EUR. Von der Straße aus kaum vorstellbar, abeAußenansicht der Burg Noji / Kyotor betritt man das Anwesen, betritt man eine andere Welt. Die große Parkanlage bietet ausgedehnte Fläche zum Wandeln und Abschalten. Der Straßenlärm wird durch die hohen Mauern weitestgehend verschluckt.
Gartenanlage in der Burg Noji / Kyoto

Während in Deutschland solche Anlagen und Parks eher in das Stadtbild integriert sind oder separiert stehen, liegen sie in Kyoto viel dichter beisammen. Tradition und Moderne treffen hier viel stärker und ohne Vorwarnung aufeinander. Vom Treiben der Stadt kann man sich vielerorts ins traditionelle Japan zurückziehen.

Viel eindrucksvoller wird dann die Diskrepanz zwischen Kyoto und Tokyo sein.

 

Kyoto / Landkarte

Quelle: wikipedia.org