Die Sache mit den guten Vorsätzen

[Fr.,28-02-14] Im Flieger: Die Stewardess holt mich aus dem dösigen Halbschlaf und fragt: "What meal do you want? The japanese or the western food?" Da ich nicht zu sehr gaikokujin (Ausländer) sein will entscheide ich: "Japanese!" Freundlich lächelnd reicht sie mir das hübsch angerichtete Tablett und ich beginne zu essen. Mist!

Ein Teil meiner Reisevorbereitungen bestand darin. mich mit radioaktiven Belastung japanischer Lebensmittel zu beschäftigen. Es hat schon viele Berichte über Umetikettierungen und Fukushima-Lebensmittel in Geschäften und Restaurants gegeben, da wollte ich vorsichtig sein und hatte mich sogar beim IPPNW (Internationale Ärzteorganisation für die Verhütung von Atomkriegen) erkundigt. Sicherlich werde ich auch japanisches Essen probieren, aber schließlich kommt es auch auf die Menge an. Und die wollte ich eigentlich gering halten. Und nun war meine erste Amtshandlung japanisch zu essen. Und dabei hatte ich noch nicht mal japanischen Boden erreicht. Das war wohl auch der Grund weshalb mein Hirn etwas Zeit brauchte bis ihm klar wurde, dass das Essen aus dem nahenden Zielland stammen könnte. Nun ja, jetzt war es auch zu spät. Es schmeckte auch sehr lecker. Ich würde beim nächsten Mal besser Acht geben! Nach dem Essen erneut das freundlich lächeln: "Tea or coffee?" "Tea!" "British one or japanese one?" "Japanese!" Na toll. Wieder zu langsam geschaltet. Suche den Fehler. Wegkippen ging auch schlecht. Mitten im Flieger.

Also gut, ich habe es gegessen und getrunken und es war auch lecker. Aber begleitet von einem unguten Gefühl und der Frage, ob man sich vielleicht unachtsam tatsächlich gerade selbst geschadet hatte. Die Wahrscheinlichkeit ist natürlich eher gering, aber wissen tut man es nicht.

Manch einer mag sich denken ich übertreibe, aber dieser 'Respekt' vor radioaktiver Strahlung hat mich von klein auf begleitet. Jahrgang 1988, zwei Jahre nach Tschernobyl. Auf Nachfrage erklärte die Stewardess allerdings lachend: "Actually it's made in Amsterdam. So don't worry."  So einfach lassen sich Fragen manchmal klären. Übertrieben nachzufragen? Vielleicht, aber besser einmal zu viel, als einmal zu wenig. Und die Frage der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln und was japanische KonsumentInnen darüber wissen und denken, wird mich in den nächsten Tagen noch besonders interessieren.