Jugendprojekt: Interesse trifft Erfahrung

„Es ist zu spät um pessimistisch zu sein.“ (Clara T., 21)

[02.10.17] 19 Teilnehmende trafen sich vom 15. - 17. September im Tagungshaus Tu Was e.V. im Wendland, um über Vergangenheit und Zukunft der Auseinandersetzung um Atomenergie und radioaktiven Müll zu diskutieren. Das Projekt „Jugend trifft Erfahrung“ der kritischen Plattform Atommüllreport.de und der BUNDJugend (Bund Umwelt und Naturschutz e.V.) soll junge Menschen kritisch schulen, damit diese fachlich mitreden können. Umgekehrt wolle man verstehen, wie junge Menschen heutzutage erreicht werden könnten.Gesprächskreis beim Workshop "Jugend trifft Erfahrung" der Plattform Atommüllreport.de und der BUNDjugend im Wendland

Die Veranstaltung begann mit einem Blick in die Vergangenheit. Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Regionalverbands Südlicher Oberrhein in Freiburg, erzählte, dass er zu Anfang selbst Atomkraftbefürworter gewesen sei. Man habe es nicht besser gewusst. Erst beim grenzüberschreitenden Widerstand gegen ein Blei-Chemie-Werk, habe er von französischen Mitstreitern erstmal etwas Kritisches gegen Atomkraft gehört. „Für mich war die Bewegung immer etwas Grenzübergreifendes - Frankreich, Schweiz, Deutschland. Nach dem Krieg war das die erste Öffnung nach Frankreich. Vorher waren wir Feinde.“ Es sei auch geschichtlicher Zufall gewesen, dass der Widerstand so stark geworden sei. Die Zeit sei reif gewesen.

Birgit Huneke hat die Proteste im Wendland miterlebt und ist heute Leiterin des Gorleben-Archivs, das historische Dokumente aus den mittlerweile 40 Jahren Widerstand sammelt. Zu Beginn der Auseinandersetzung habe man eine Kriminalisierung erlebt: „Kleister im Auto reichte schon für ein Strafverfahren. Wir haben Plakate heimlich gedruckt. Der Aktionskünstler Joseph Beuys hat davon gehört und ein Plakat signiert. Mit juristischer Begleitung. So wurde es zum Kunstobjekt und konnte plakatiert werden.“ Kunst spiele in diesem Widerstand eine wichtige Rolle.

Erfahrungsaustausch beim Workshop "Jugend trifft Erfahrung". Auf dem Bild v.l. Birgit Huneke (Leitung Gorleben-Archiv), Axel Mayer (BUND Regionalverband), Clara Tempel (JunepA), Cecile Lécomte (Umweltaktivistin), Jutta Wieding (Moderation)Dass Erfahrung nichts mit Alter zu tun hat, zeigten die 21-jährige Clara Tempel und die 36-jährige Cecile Lécomte, die über ihre Aktionen des zivilen Ungehorsams berichteten. Claras Eltern seien in der Anti-AKW-Bewegung aktiv. Sie selbst hat mit anderen jungen Menschen 2012 das Jugendnetzwerk für politische Aktionen „JunepA“ gegründet, selbstbestimmt ohne Eltern. Die Mitglieder engagieren sich zu verschiedenen Themen und organisieren u.a. Sitzblockaden. Sicherlich habe sie vor Aktionen Angst, manchmal auch währenddessen: „Angst ich wichtig. Gerade weil ich ein spürender Menschen bin, der seine Angst überwindet weil er es wichtig findet, ist es so besonders.“ Auf die Frage was sie antreibe erklärte sie: „Es ist zu spät um pessimistisch zu sein. Wir können jetzt nicht aufhören.“

Die ehemalige französische Meisterin im Sportklettern (1997) Cecile ist für ihre Besetzungen durch spektakuläre Kletteraktionen bekannt. Sie sagte, es reiche nicht sich nur mit der hiesigen Situation auseinanderzusetzen, denn auch wenn alle deutschen AKWs vom Netz gegangen seien, würden andere nebenan in Frankreich oder Belgien weiterlaufen.

Rollenspiel beim Workshop "Jugend trifft Erfahrung"Besonders fordernd und anschaulich war die Aufgabe eines Rollenspiels. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen aufgeteilt und sollten zeigen, wie ein Dorf damit umgehe als ein potenzieller Endlagerstandort deklariert worden zu sein. In den fiktiven Dörfern wurden externe AktivistInnen als StörerInnen wahrgenommen, Institutionen traten offen und bedacht auf und BügermeisterInnen verfielen schnell in deren Argumentationen.

Gorleben-Exkursion Bei einer Exkursion zum Zwischenlager Gorleben berichtete Torben Klages von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, die Teil des Atommüllreport.de-Trägerkreises ist, über deren Auseinandersetzung und Aktionen.

Abschließend wurde besprochen, welche Themen wem besonders am Herzen liegen würden. Atommüll war für diejenigen relevant, die sich ohnehin damit beschäftigten bzw. in diesem Bereich arbeiteten. Das Augenmerk der jungen, fachfremden Menschen, lag hingegen auf anderen Problemen, wie dem des Klimawandels. Sie identifizieren für sich wichtige Felder, mit denen sie sich befassen wollen und suchen sich u.a. in Form von Workshops Input und Anknüpfungspunkte. Endlagerung ist dabei aktuell aber eben nicht drängend.

 

Dies war der erste der drei Workshops des Jugendprojekts, das von der Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU) gefördert wird. Weiter geht es vom 12.-14.10. in Karlsruhe, mit Fokus auf technischen Aspekten. Dazu gehört auch die Exkursion zur Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE). Der dritte Workshop findet vom 01.-02.02.18 in Berlin statt.