Bundesumweltstiftung fördert atomkritische Jugendbildung mit 110.000 Euro

[07.04.17] Am Mittwoch, den 05.April überreichte die Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU) dem Trägerkreis Atommüllreport an der Schachtanlage Konrad in Salzgitter die Bewilligung über knapp 110.000 Euro zur Finanzierung von Jugendbildungs-Maßnahmen. Das Projekt will junge Menschen in Diskussionen kritisch für Atomthemen schulen, damit diese fachlich mitreden können.  Umgekehrt wolle man von jungen Menschen mehr über das Potential von Neuen Medien lernen.Die Deutsche Bundesumwelthilfe übergibt dem Trägerkreis Atommüllreport die Förderbewilligung an der Schachtanlage Konrad in Salzgitter / auf dem Bild v.l.: Thorben Becker (BUND), Gert Sanders (BUNDjugend), Ursula Schönberger (Projektleiterin), Dr. Matthias Miersch (Bundestagsabgeordneter und DBU-Kuratoriumsmitglied), Franz-Georg Elpers (DBU-Pressesprecher)

„Eine Generation an jungen Menschen, die die großen Diskussionen über Atommüll gar nicht erlebt haben, sind jetzt mit den Auswirkungen konfrontiert“, erklärt Gert Sanders, Bundesgeschäftsführer der BUNDjugend, die das Projekt unterstützt. „Trotzdem müssen sie in der ersten Generation damit umgehen, ohne wirklich einen „Nutzen“ davon gehabt zu haben.“ Um ihnen das vorhandene Wissen aus jahrzehntelanger Auseinandersetzung zugänglich zu machen, plant der Trägerkreis Atommüllreport drei Workshops im Wendland, in Karlsruhe und Berlin. Ein lernender Prozess, bei dem mit jungen Menschen, Zeitzeugen und Experten diskutiert werden soll.

Projektleiterin Ursula Schönberger spricht über die Notwendigkeit atomkritischer JugendbildungsmaßnahmenNeben den technischen Fragen, solle es aber auch eine pädagogische Diskussion geben, so Sanders. Es ginge nicht nur darum freiwillig engagierte junge Menschen zu erreichen, sondern man plane außerdem für die langfristige, breitere Arbeit Unterrichtsmaterialien für Schulen zu erarbeiten. Und auch umgekehrt wolle man von den jungen Menschen lernen, wie das Wissen weitergeben und verbreitet werden könne, erklärte Projektleiterin Ursula Schönberger: „Es ist ein Prozess auf Augenhöhe. Und die Ergebnisse der Workshops sollen später in Strategien mit eingebaut werden.“

Dr. Matthias Miersch Bundestagsabgeordneter und DBU-Kuratoriumsmitglied sieht eine klare Verantwortung zur Projektförderung: „Für Müll, der 70 Jahre aufgrund von Atomnutzung entstanden ist, müssen wir eine Lösung für die nächsten eine Million Jahre finden. Das, was einige Generationen genutzt haben, belastet etwa 30.000 weitere Generationen. Das ist eine unvorstellbare Dimension.“ Daher sei es wichtig ein Projekt zu fördern, das die Transformation des Wissens in den Mittelpunkt stelle.Bundestagsabgeordneter Dr. Matthias Miersch spricht als DBU-Kuratoriumsmitglied über die Bewilligung zur Projektförderung

Unabhängig von dieser Finanzierung plant der Trägerkreis Atommüllreport im August diesen Jahres eine Sommerakademie mit jungen WissenschaftlerInnen. Insgesamt zeigt sich ein fortsetzender Trend, dass zivilgesellschaftliche Protagonisten versuchen Zeitzeugenerfahrungen und das fachliche Wissen generationsübergreifend aufzubereiten.

Auch die Bundestagskommission Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe hatte einen Workshop mit jungen Erwachsenen abgehalten. Allerdings sollten die meist fachunkundigen TeilnehmerInnen bereits unmittelbar an der Konzeption eines Kommissionsberichts mitwirken. Aufgrund mangelnder Heterogenität und Fachkenntnis blieb es eine Legitimationsveranstaltung, die lediglich Fußnoten im Bericht generierte. Das Projekt des Trägerkreises kann durch die BUNDjugend zumindest auf bestehende Netzwerke zurückgreifen. Es bleibt aber zu beobachten, ob und wie es gelingt eine breitere Gruppe anzusprechend und nachhaltige Ergebnisse zu generieren.

 

Der Atommüllreport ist ein kritisches Fachportal, das von Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen getragen wird. Er basiert auf der "Bestandsaufnahme Atommüll", mit der die Politologin Ursula Schönberger (Salzgitter) 2012 erstmals einen kompletten Überblick über den Atommüll in Deutschland gegeben hat.